Offen dokumentieren statt nur Treffer zeigen
Versuchschronologie des Schieber-Matrix-Modells
Vom anfänglichen Rasterverdacht über verworfene Geometrietests bis zum seitenweise kreuzvalidierten Übergangsmodell für Voynich MS 408.
Zweck dieser Seite: Diese Chronologie dokumentiert die Versuche in ihrer sachlichen Reihenfolge. Sie enthält positive Befunde ebenso wie negative, methodisch ungültige und weiterhin offene Ergebnisse. Ein späterer Erfolg ersetzt keinen früheren Fehlschlag; jeder Versuch beantwortet nur die jeweils gestellte Frage.
Die Untersuchung beansprucht keine Übersetzung oder Entschlüsselung. Geprüft wird, ob beobachtete Zeichenfolgen mit einem begrenzten, von Hand ausführbaren Produktionssystem vereinbar sind.
Suche nach einem geometrischen Raster
Ausgangspunkt war die grafische Beobachtung ungewöhnlich gleichmäßig wirkender Abstände.
| Versuch | Prüfung und Ergebnis | Status |
|---|---|---|
| X-Start-Koordinaten | Zeichen- und Wortanfänge wurden auf wiederkehrende horizontale Positionen geprüft. Es entstanden Häufungen, aber kein eindeutiges gemeinsames Raster. | vorläufig |
| Lattice-Spektrum und Phase-Fold | Spektren und gefaltete Koordinaten zeigten einzelne Peaks und lokale Verdichtungen, jedoch keinen stabilen seitenübergreifenden Grundtakt. | global negativ |
| Quantisierungs-Basisscan | Verschiedene Grundmaße und deren ganzzahlige Vielfache wurden gegen die Abstände getestet. Kein universelles Grundmaß blieb über Seiten und Zeichenklassen stabil. | nicht bestätigt |
| Fokussierter 4:1-Test | Ein auffälliges Verhältnis wurde isoliert geprüft, ließ sich aber nicht als allgemeine Regel bestätigen. | nicht bestätigt |
| Kleine Standardzeichen | Gallows, große Lücken und auffällige Formen wurden entfernt. Das Rasterbild wurde ruhiger, blieb jedoch nicht eindeutig. | offen |
| Kontrolltext und kurze Zeichen | Ähnliche lokale Rastereffekte entstanden auch in weniger auffälligen Textbereichen. Damit waren sie nicht automatisch ein mechanischer Fingerabdruck. | Einschränkung |
| Krümmung und lokale Module | Ein Teil der scheinbaren Rasterabweichung ließ sich mit Zeilenkrümmung und abschnittsweisen Modulen erklären. Lokale Modelle passten besser als ein starres Gesamtraster. | lokal plausibel |
| Phasensprünge und Perioden | Phasenwechsel waren erkennbar, aber weder ein Drittelsystem noch eine feste globale Periode wurde belastbar bestätigt. | global negativ |
Modulare Matrix und Zustandsmodell
Die geometrische Idee wurde schrittweise in ein regelgebundenes Übergangsmodell übersetzt.
| Versuch | Prüfung und Ergebnis | Status |
|---|---|---|
| Modulare Matrix | Aus gemessenen Abständen wurden mögliche Module rekonstruiert. Mehrere Lösungen waren möglich; eine historische Originalmatrix ließ sich nicht eindeutig zurückrechnen. | explorativ |
| Eingefrorene Matrix mit Toleranz | Eine feste Anordnung wurde mit begrenzter handschriftlicher Streuung getestet. Sie konnte Muster erzeugen, war aber noch nicht eindeutig besser als einfachere Erklärungen. | vorläufig |
| Maßkonzept | Aus Kandidatenwerten von 0,427 / 0,636 / 0,776 / 1,723 mm entstand ein Zyklus von 3,562 mm und ein technischer Entwurf. Mehrere Maße waren ausdrücklich nur Konstruktionsannahmen. | Entwurf |
| Sliding-Simulation | Eine horizontal verschiebbare Schablone zeigte die praktische Machbarkeit regelgebundener Kombinationen, aber nicht ihre historische Verwendung. | Machbarkeit |
| State-Machine | Zeichen wurden als Zustände und Zeichenwechsel als Bewegungen modelliert. Diese Darstellung war stabiler als das globale Koordinatenraster. | richtungsweisend |
| Fünf grobe Zustände | Eine frühe Übergangsmatrix machte bevorzugte Wege sichtbar, war für die tatsächliche Zeichenstruktur jedoch zu grob. | Vorstufe |
dy → qok-Messmatrix | Zwölf Fundstellen wurden auf einer gemeinsamen Verschiebungsachse angeordnet. Lokale Nahabstände waren auffällig; eine enge gemeinsame Millimetergruppe blieb unbewiesen. | offen |
Erste Blind- und Kontrolltests
Anonymisierte Nullkorpora und zurückgehaltene Daten sollten nachträgliche Anpassungen begrenzen.
| Versuch | Prüfung und Ergebnis | Status |
|---|---|---|
| Höhergeordnete Wortbausteine | 1.416 Wortvorkommen und 797 Worttypen wurden mit 999 innerhalb der Wörter umgeordneten Nullkorpora verglichen. Drei-Zeichen-Verbindungen: 43.980 gegenüber einem Nullmittel von 4.259,86. Vier-Zeichen-Verbindungen: 9.680 gegenüber 285,30. | p = 0,001 |
| Automatischer Bildtest | Die automatische Zeilen- und Wortsegmentierung schnitt falsche Bereiche aus. Die erzeugten Kennzahlen wurden nicht als Ergebnis verwendet. | verworfen |
qo/4o-Anker | 60 Fälle: mittlere paarweise Abstandsdifferenz 3,49 statt 5,05 Pixel; 30,9 Prozent regelmäßiger als die Nullerwartung. Der Effekt blieb bei Toleranzvarianten und Leave-one-page-out in derselben Richtung. | p = 0,0013 |
Externer qo-Pixelcheck | Nur neun direkt vergleichbare Paare: 3,78 statt 3,90 Pixel; p = 0,458. Der erste Effekt wurde damit nicht unabhängig bestätigt. | nicht bestätigt |
| Mehrformat-Handschriftenvergleich | MS 408 zeigte in einem frühen Vergleich über mehrere Auflösungen geringere Abstandsvarianz als zwei Vergleichshandschriften. Die vollständigen numerischen Rohdaten dieses Laufs liegen nicht als eigenständige Ergebnistabelle vor. | nicht vollständig reproduzierbar |
| Form- und Intensitätspiloten | Ein k-Pilot war in absoluten Maßen auffällig, nach Größenkorrektur aber nicht mehr belastbar. q-Intensität und schreiberübergreifende Kontraste blieben durch Scan- und Seiteneinflüsse konfundiert. | explorativ |
Die 19-Zustände-Schiene
Aus den Übergangsdaten entstand die bis heute verwendete lineare Zeichenordnung.
g–f–p–s–c–h–y–e–d–t–k–o–q–l–a–r–i–n–m| Versuch | Prüfung und Ergebnis | Status |
|---|---|---|
| Zahnlineal-Proxy | Abstände wurden zunächst symbolisch über dazwischenliegende EVA-Zeichen modelliert. Häufige Lückenpaare lieferten den Ausgangspunkt für die lineare Ordnung. | Strukturhinweis |
| Holdout f103r | 2.228 Übergänge; mittlere Schieberbewegung 2,195 gegenüber 3,341 unter Zufall. | p ≈ 0,0005 |
| Holdout f102v | 1.208 Übergänge; mittlere Bewegung 2,737 gegenüber 3,715. | p ≈ 0,0002 |
| Holdout f41r | 448 Übergänge; mittlere Bewegung 2,350 gegenüber 2,981. | p ≈ 0,0002 |
| Schrittweiten | Auf allen drei zurückgehaltenen Seiten dominierten Bewegungen um eine oder zwei Positionen. Die Ordnung wurde auf den Testseiten nicht neu angepasst. | stabil |
Ausweitung auf Seiten, Sektionen und Schreiberhände
Das Modell wurde von Einzelbeispielen auf größere und getrennte Textbereiche übertragen.
| Versuch | Prüfung und Ergebnis | Status |
|---|---|---|
| Einzelblatt f93r | 756 Zeichen; mittlere Bewegung 3,89 statt 4,55; kleine Schritte 46,5 statt 36,2 Prozent; Top-10-Übergänge 44,9 statt 23,9 Prozent. | positiv |
| Out-of-sample f94r | Mittlere Bewegung 3,186 statt 6,291; kleine Schritte 55,24 statt 24,83 Prozent. | p < 0,0001 |
| Out-of-sample f96r | Mittlere Bewegung 3,729 statt 6,420; kleine Schritte 45,83 statt 23,30 Prozent. | positiv |
| Out-of-sample f100r | Mittlere Bewegung 3,511 statt 6,224; kleine Schritte 52,19 statt 25,79 Prozent. | positiv |
| Currier A und B | Currier A: mittlere Bewegung 3,499; Currier B: 2,987; jeweilige Zufallswerte ungefähr 6,3. | beide positiv |
| Fünf Hände und Sektionen | Alle fünf zugeschriebenen Hände und sämtliche großen Sektionen zeigten denselben Grundeffekt, allerdings in unterschiedlicher Stärke. | korpusweit |
| Gallows-Rangbahnen | Erstes bis viertes Gallows lagen im Mittel bei relativen Positionen 0,180 / 0,376 / 0,508 / 0,615. Die Bahnen waren schmaler als bei zufälliger Verteilung. | auffällig |
| Gallows gegen normale Glyphen | Gallows zeigten stärkere Positions- und Rangbindung als gewöhnliche Zeichen. Eine textstrukturelle Erklärung bleibt möglich. | mehrdeutig |
Konkurrenzmodelle und Normaltexte
Das lineare Modell wurde gegen geometrische Alternativen, Generatoren und normale Sprachtexte gestellt.
| Versuch | Prüfung und Ergebnis | Status |
|---|---|---|
| 1D-Schiene gegen 2D-Bingo | 1D: Distanzverhältnis 0,490 und Nachbarschaftslift 2,43. 2D: Verhältnis 0,614 und Lift 2,21. Die lineare Ordnung passte besser. | 1D besser |
| Kreismodell | Eine ringförmige Anordnung erklärte die Übergänge nicht überzeugender als die Schiene. | verworfen |
| Always-mutate | Ähnliche Wortlängen und Bewegungen, aber zu viele einmalige Wörter und zu geringe Wiederholungsmasse. | unzureichend |
| Bibliothek plus exakte Kopie | Erklärte die Wiederholungsmasse besser, traf aber Wortvielfalt und Übergangskonzentration nicht gemeinsam. | unzureichend |
| Copy-and-modify | Bleibt ein plausibles Konkurrenzprinzip für lokale Wortfamilien, erklärt die Gesamtheit der gemessenen Kennzahlen aber nicht allein. | nicht widerlegt |
| Alice, Faust und Legenda Aurea | Die Kontrolltexte benötigten 121 bis 122 Kanten und erreichten im Test ungefähr 87,9 bis 88,5 Prozent. MS 408 benötigte 87 Kanten und lag bei über 93 Prozent. | Voynich kompakter |
| Lutherbibel-Pilot | 113 Kanten ergaben 79,41 Prozent Testabdeckung. | Kontrolle schwächer |
Eingefrorene Matrix und Kreuzvalidierung
Die Zahl der Zustände und erlaubten Kanten wurde festgelegt und seitenweise geprüft.
| Versuch | Prüfung und Ergebnis | Status |
|---|---|---|
| 19×19-Matrix | Von 361 möglichen gerichteten Übergängen wurden 87 anhand der Trainingsdaten erlaubt. | eingefroren |
| Früher 70/30-Blindtest | 158 Trainingsseiten und 69 Testseiten; direkte Testabdeckung 93,17 Prozent. | positiv |
| 10.000 Zufallsmatrizen | Zufallsmittel 24,38 Prozent, bestes Zufallsmodell 56,48 Prozent; keine Matrix erreichte MS 408. | p ≈ 0,0001 |
| Zehnfache Seitenkreuzvalidierung | 155.040 Übergänge; direkte Abdeckung 92,8412 Prozent. Die zehn Testgruppen lagen zwischen 92,10 und 93,52 Prozent. | Hauptergebnis |
| 5.000 gradgleiche Zufallsmatrizen | Zufallsmittel 24,25 Prozent, Maximum 54,50 Prozent; keine erreichte 92,84 Prozent. | p < 0,0002 |
| Mechanische Abweichungsklassen | Mit Wiederholung, ausgelassener Zwischenposition sowie benachbartem Ziel oder Ausgang wurden 98,81 Prozent klassifiziert. Zufallsmatrizen erreichten mit diesen großzügigen Regeln jedoch bereits im Mittel 90,42 Prozent. | nur p ≈ 0,026 |
| Gleich großer Vulgata-Vergleich | Je 19 Zustände und 87 erlaubte Übergänge: MS 408 erreichte 92,84 Prozent, die lateinische Vulgata 67,63 Prozent. | starke Kontrolle |
| Fünf Schreiberhände | Direkte Abdeckung zwischen 90,67 und 93,98 Prozent. Kein Schreiberprofil brach aus dem Grundmodell aus. | stabil |
| Restübergänge | Wenige Paare wie ck, am, ir, hc und op dominierten die nicht direkt erlaubten Fälle. Viele sind stark an Wortanfang, Wortende oder Gallows-Konstruktionen gebunden. | grafische Ebene? |
Zwischenbilanz
Was die Versuchsreihe tatsächlich zeigt
Belastbare Befunde
- starke wiederkehrende Drei- und Vierzeichenbausteine
- ungewöhnlich kurze Bewegungen auf einer 19er-Schiene
- hohe Abdeckung durch eine 87-Kanten-Matrix
- Stabilität über Seiten, Sektionen und fünf Hände
- deutlich geringere Abdeckung der gleich modellierten Vulgata
Nicht bestätigt
- ein globales Millimeterraster
- eine feste globale Phase oder Periode
- ein universelles Drittelsystem
- unabhängige Bestätigung des
qo-Abstands - Überlegenheit von Bingo-, Kreis- oder einfachen Mutationsmodellen
Weiterhin offen
- physische Schablone, Schiene oder Karten
- historische Produktionsweise
- Pixelreplikation ohne Skalierung
- Ganzlagen- und Handschreiber-Holdouts
- Vergleich mit weiteren Sprachen, Chiffren und Markov-Modellen
Transparenz zur KI-Unterstützung
Die Schieber-Matrix-Hypothese, die zugrunde liegenden grafischen Beobachtungen sowie die praktischen Schreib- und Schablonenexperimente wurden vom Autor entwickelt und durchgeführt. Generative KI wurde unterstützend bei der Entwicklung und Überprüfung von Rechenwegen, der Programmierung von Analysewerkzeugen, der Strukturierung von Daten sowie bei Übersetzung und sprachlicher Aufbereitung eingesetzt.
Die KI wurde nicht zur vermeintlichen Entschlüsselung des Voynich-Manuskripts verwendet. Auswahl, Prüfung, Interpretation und Verantwortung für die veröffentlichten Aussagen liegen beim Autor.