Experimentelle Rekonstruktion
Methode und Druckvorlagen
Diese Seite erklärt das Schieber-Karten-Modell, dokumentiert den Kontrollvergleich mit der lateinischen Vulgata (lateinische Übersetzung der Bibel) und stellt die 19 Zustandskarten für einen vollständig analogen Schreibversuch bereit.
Was wird geprüft?
Der Versuch untersucht, ob längere Zeichenfolgen durch einen begrenzten, regelgebundenen Arbeitsablauf erzeugt werden können. Jedes neue Zeichen folgt aus der aktuellen Position, einer zugehörigen 36-Felder-Karte und dem Ergebnis zweier Würfel. Der Zufall entscheidet nicht frei, sondern nur innerhalb der auf der jeweiligen Karte vorgegebenen Übergänge.
Ablauf des Schreibversuchs
- Ein Startzeichen und ein Schreiberprofil werden festgelegt.
- Das aktuelle Zeichen bestimmt die zu verwendende 36-Felder-Karte.
- Würfel 1 wählt die Zeile, Würfel 2 die Spalte.
- Das ausgewählte Feld nennt das nächste Zeichen.
- Der Schieber wird zu dessen Position bewegt und das Zeichen notiert.
- Das neue Zeichen aktiviert seine eigene Karte; der Ablauf beginnt erneut.
- Wortgrenzen werden bewusst manuell gesetzt und im Protokoll vermerkt.
Berechnung des Kartenfelds
Feld = 6 × (Würfel 1 − 1) + (Würfel 2 − 1)
Das interne Ergebnis liegt zwischen 0 und 35; auf den gedruckten Karten entspricht dies den Feldern 1 bis 36. Beispiel: Start bei q auf Position 12, Würfel 1 = 1 und Würfel 2 = 1. Das ergibt Feld 0 beziehungsweise das sichtbare Feld 1. Auf der q-Karte steht dort o. Der Schieber bewegt sich von Position 12 auf Position 11, also um eine Stelle nach links.
Datengrundlage und Bibelvergleich
Für MS 408 wurden 194.163 Zeichen des verwendeten 19-Zeichen-Systems und 155.040 Übergänge innerhalb der transkribierten Gruppen ausgewertet. Die Grundmatrix enthält 87 erlaubte Übergänge. Als Kontrolltext diente die lateinische Vulgata (lateinische Übersetzung der Bibel) mit 3.176.132 Buchstaben. Ihre 19 häufigsten Buchstaben decken 98,43 Prozent des Bestands ab.
Beide Texte erhielten für den Strukturvergleich ein gleich großes Modell mit 19 Zuständen und 87 Übergängen. Das Modell wurde jeweils an 90 Prozent des Materials bestimmt und an den zurückgehaltenen zehn Prozent geprüft: bei MS 408 nach Seiten, bei der Vulgata nach vollständigen biblischen Büchern.
| Vergleich | Voynich MS 408 | Lateinische Vulgata |
|---|---|---|
| Ausgewertete Übergänge | 155.040 | 2.513.591 |
| Direkt vom 87-Übergänge-Modell erfasst | 92,84 % | 67,63 % |
| Nicht direkt erfasst | 7,16 % | 32,37 % |
MS 408 erreicht damit eine um 25,21 Prozentpunkte höhere Grundabdeckung. Das bedeutet nicht, dass Latein weniger geordnet wäre. Es zeigt, dass die Voynich-Folgen unter dieser Modellgröße stärker auf ein begrenztes Übergangsnetz konzentriert sind.
Mit vier zusätzlich festgelegten Abweichungsklassen – Wiederholung, ausgelassene Zwischenposition, benachbartes Ziel und benachbarte Ausgangskarte – sind 98,81 Prozent der Voynich-Übergänge mit dem Modell vereinbar; 1,19 Prozent bleiben unklassifiziert. Diese erweiterte Zahl ist keine Treffer- oder Entzifferungsquote. Die strengere Kernzahl bleibt 92,84 Prozent.
Fünf Schreiber und Fehlertoleranz
Die fünf Profile bilden die mindestens fünf im Manuskript unterschiedenen Schreiberhände ab. Sie dokumentieren unterschiedliche statistische Bewegungsmuster, verändern die Karten aber nicht automatisch. So werden Fehler nicht künstlich erzeugt. Im praktischen Versuch können falsche Ausgangspositionen, verwechselte Kartenfelder, Wiederholungen, Auslassungen und grafische Varianten tatsächlich beobachtet und protokolliert werden.
| Profil | Mittlere Weglänge |Δ| | Kurze Wege |Δ| ≤ 2 |
|---|---|---|
| Hand 1 | 3,5122 | 51,9127 % |
| Hand 2 | 3,0123 | 62,2186 % |
| Hand 3 | 2,9759 | 61,4667 % |
| Hand 4 | 3,1338 | 57,1247 % |
| Hand 5 | 2,9767 | 57,7939 % |
Analoger Versuch
1. Positionsschiene
Diese Schiene kann ausgeschnitten oder unter eine verschiebbare Markierung gelegt werden. Die Nummerierung beginnt wie im digitalen Modell bei 0. Die cm-Skala oberhalb ist im Ausdruck maßstabsgenau: Eine Position entspricht einem Zentimeter.
2. Die 19 Zustandskarten
Die Karte des aktuellen Zeichens wird verwendet. Würfel 1 bezeichnet die Zeile, Würfel 2 die Spalte. Das gefundene Zeichen ist das nächste Ziel.
Karte gW1 ↓ · W2 →
Karte fW1 ↓ · W2 →
Karte pW1 ↓ · W2 →
Karte sW1 ↓ · W2 →
Karte cW1 ↓ · W2 →
Karte hW1 ↓ · W2 →
Karte yW1 ↓ · W2 →
Karte eW1 ↓ · W2 →
Karte dW1 ↓ · W2 →
Karte tW1 ↓ · W2 →
Karte kW1 ↓ · W2 →
Karte oW1 ↓ · W2 →
Karte qW1 ↓ · W2 →
Karte lW1 ↓ · W2 →
Karte aW1 ↓ · W2 →
Karte rW1 ↓ · W2 →
Karte iW1 ↓ · W2 →
Karte nW1 ↓ · W2 →
Karte mW1 ↓ · W2 →
Arbeitsblatt
3. Versuchsprotokoll
Startzeichen: ____________________ Handprofil: ____________________ Datum: ____________________
| Nr. | Würfel | Feld | Von → Nach | Weg | Hand | Beobachtung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | ||||||
| 2 | ||||||
| 3 | ||||||
| 4 | ||||||
| 5 | ||||||
| 6 | ||||||
| 7 | ||||||
| 8 | ||||||
| 9 | ||||||
| 10 | ||||||
| 11 | ||||||
| 12 | ||||||
| 13 | ||||||
| 14 | ||||||
| 15 | ||||||
| 16 | ||||||
| 17 | ||||||
| 18 | ||||||
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Mögliche Beobachtungen: sicher · unsicher · falsche Zeile/Spalte · falscher Ansatz · Wiederholung · Auslassung · grafische Abweichung · Wortgrenze