Experimentelle Analyse von MS 408

Nicht nur fragen, was der Text bedeutet – sondern wie er erzeugt worden sein könnte.

Aus einer grafischen Beobachtung ist ein ausführbarer und messbarer Schreibversuch entstanden: 19 Zeichenpositionen, zustandsabhängige Karten, zwei Würfel und ein begrenztes Netz wiederkehrender Übergänge.

Das Modell ist keine Entzifferung und kein Nachweis eines historischen Geräts. Es ist eine falsifizierbare Hypothese über einen möglichen Produktionsprozess.

92,84 % direkte Abdeckung der Übergänge auf zurückgehaltenen Voynich-Seiten durch ein Modell mit 87 Übergängen
67,63 % direkte Abdeckung der lateinischen Vulgata durch ein separat trainiertes Vergleichsmodell gleicher Größe
5 Hände paläografische Schreibergruppen mit jeweils hoher, aber nicht identischer Modellabdeckung

Die Prozentwerte sind Strukturvergleiche, keine Entzifferungsquoten. Ausgewertet wurden Übergänge innerhalb transkribierter Wortgruppen.

Externer Strukturvergleich

Zwei unabhängige Ansätze – eine auffällige strukturelle Übereinstimmung.

Die Celler Presse stellt das mechanische Matrixmodell dieses Projekts dem unabhängig entwickelten „Functional Decoding Model" von Tobias Franke gegenüber. Obwohl beide Modelle von völlig unterschiedlichen Ausgangspunkten ausgehen, zeigen sich bemerkenswerte Überschneidungen in den erkannten Strukturen des Voynich-Textes.

Celler Presse · 04.10.2026

Artikel „Unabhängiger Strukturtest aus Ratzeburg" lesen →

Das Schieber-Matrix-Modell

Ein begrenztes Regelwerk verbindet Ordnung und Variation

Der Versuch übersetzt die beobachteten Zeichenübergänge in einen einfachen, von Hand ausführbaren Ablauf.

1

19 Positionen

Die verwendeten EVA-Zeichen liegen auf einer festen Schiene. Jede Bewegung lässt sich als Weg nach links oder rechts messen.

2

36 Felder je Zustand

Das aktuelle Zeichen aktiviert seine eigene 6×6-Karte. Häufige Folgemöglichkeiten stehen mehrfach auf dieser Karte.

3

Kontrollierter Zufall

Zwei Würfel wählen ein Kartenfeld. Das Zielzeichen wird geschrieben und aktiviert die nächste Karte.

Wichtig: Wortgrenze und Anfangszeichen werden im gegenwärtigen Versuch bewusst separat gewählt und protokolliert. Die Matrix steuert die Übergänge innerhalb eines Wortes. Damit entspricht der Versuch genau der verwendeten statistischen Auswertung.

Selbst ausprobieren

Vom Rechenmodell zum echten Schreibversuch

Im interaktiven Versuch können Startzeichen, Handprofil und reale oder virtuelle Würfel verwendet werden. Mitschrift und Protokoll erfassen Würfe, Kartenfelder, Wortanfänge, Bewegungen und Beobachtungen. Die Druckseite stellt Schiene und Karten für einen analogen Versuch bereit.

Ausgangspunkt des Projekts

Die grafischen Experimente bleiben eine eigene Beweisspur

Das Projekt begann mit Vektorüberlagerungen, Spiegelungen, wiederkehrenden Abständen und modular wirkenden Pflanzenteilen. Diese Beobachtungen führten zur Frage nach einem regelgebundenen Produktionsprozess. Sie werden jedoch nicht mit dem statistischen Textergebnis gleichgesetzt und benötigen eigene Blindtests.

Das ursprüngliche grafische Experiment

Das Video zeigt, wie Formen vektorisiert, gespiegelt und miteinander verglichen wurden. Die gefundenen Ähnlichkeiten sind Ausgangspunkte für Messungen, keine Beweise für eine Schablone.

Warum wäre der Text trotz eines Hilfsmittels nicht vollkommen gerade?

Pergament ist flexibel und uneben; Spannung, Federführung und spätere Verformung können Linien verändern. Eine ungerade Zeile widerlegt eine Führung deshalb nicht automatisch. Umgekehrt beweist sie aber auch keine Schablone. Entscheidend sind reproduzierbare Messungen und Vergleiche mit normalen Handschriften.

Easter Egg: Wie klingt der Text mit tschechischem Akzent?

Die Vertonung ist ein künstlerisches Rhythmusexperiment, keine Aussprache, Übersetzung oder sprachwissenschaftliche Rekonstruktion.

Offen prüfen statt behaupten

Ergebnisse, Grenzen und historische Einordnung

Die ausführlichen Seiten trennen eigene Berechnungen, bestehende Forschung, historische Plausibilität und Spekulation. Das Modell muss sich an vollständig ungesehenem Material und gegen einfachere Konkurrenzmodelle bewähren.